Buch

Eine umfassende Darstellung der der DDR-Folkszene zwischen 1976 und 1990 fehlte bis jetzt. Das Buch soll diese Lücke schließen – für diejenigen, die damals dabei waren, für Nachgewachsene und neu Dazugekommene. Bandporträts, Szene-Lexikon und Chronik sind hier auch online zugänglich.

Lieder mit doppeltem Boden

"Volkes Lied" wurde Mitte der 1970er-Jahre von jungen Leuten diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs wiederentdeckt. Der Anstoß dazu kam aus Irland. Mit Vorliebe gesungen wurden die derben, aufmüpfigen Lieder, die Klage- oder Spottgesänge aus Wolfgang Steinitz' zweibändiger Sammlung "Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten" (Ostberlin 1954 und 1962), der "Bibel" beider deutscher Folkszenen.

Grundverschieden waren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dafür sorgte in der DDR "Vater Staat". Die Volkskunst, zu der auch Folkbands zählten, wurde einerseits großzügig gefördert, anderseits kleinlich bevormundet. Wer öffentlich auftreten wollte, brauchte eine Spielerlaubnis, die sogenannte "Pappe". Mit ihr hatte man Anspruch auf eine feste Gage. Doch wer politisch aneckte, der bekam Auftrittsverbot.

Lieder, die auch die Folkies im Westen sangen, bekamen im Osten einen "doppelten Boden", konnte man doch mit ihnen ungefährdet politische Tabus ansprechen wie mangelnde Reisefreiheit, Zensur oder kritikwürdige Zustände bei der Nationalen Volksarmee. Die studentisch geprägte DDR-Folkszene war ein Sammelbecken unangepasster Jugendlicher.

Volkstanz-Boom und Marktsackpfeife

In den 80er-Jahren wurde der Volkstanz von der Bühne wieder auf den Tanzboden geholt. Vorbild war die "Tanzhaus-Bewegung" in Ungarn. DDR-typisch war auch der Eigenbau historischer Musikinstrumente wie Dudelsack oder Drehleier. Es gab sie nirgends zu kaufen, wer sie spielen wollte, musste sie selbst anfertigen. Ein Ergebnis war die "Marktsackpfeife", die heute deutschlandweit auf Mittelaltermärkten zu hören ist. Last, not least würde es ohne die ostdeutsche Folkszene heute weder das Festival in Rudolstadt geben, noch die Zeitschrift FOLKER.


Über das Buch:

"Ein gewichtiges Stück Musikgeschichte, das überaus spannende Einblicke in die um künstlerische Unabhängigkeit bemühte DDR-Musikszene bietet."

Kai Agthe, Mitteldeutsche Zeitung Halle, 01.07.2016

"Interessant, Fakten und Zusammenhänge zu erfahren, die bisher nur Insider kannten - und dies in einem unterhaltsamen Stil [...] Ein Nachschlagewerk, mit dem sich arbeiten und auf dem sich aufbauen lässt."

Kay Reinhardt, FOLKER, Magazin für Folk, Lied und Weltmusik, Heft 5/2016

"Ingesamt hat Leyns Folk-Geschichte das Potential, zu einem Standardwerk auf ihrem Gebiet zu avancieren."

Moritz Panning, Melodie & Rhythmus, September/Oktober 2016

"... hervorragend erschlossenes Wissen erstmals als Gesamtschau zugänglich [...] Für Musikbibliotheken ein Muss und auch für viele andere Büchereien eine wichtige Bereicherung!"

Susanne Brandt, Lektoratsdienst für Bibliotheken 36/2016

"Der Autor schenkt den Akteuren der DDR-Folkmusik mit dem Buch ein Stück Erinnerung an ernsthaftes künstlerisches Tun, an Muße, Kommunikation und Geselligkeit, an einen kreativen Teil ihres gelebten Jugendlebens."

Ute Mohrmann, Thüringer Volkskundliche Mitteilungen, Dezember 2016

Buchvorstellungen zum Nachhören:

Deutschlandfunk, 04.08.2016

MDR KULTUR, 09.06.2016:

Deutschlandradio Kultur, 06.06.2016:

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"