Folkszene DDR: Bandporträts, Chronik, Szene-Lexikon

Zwischen der Biermann-Ausbürgerung im Herbst 1976 und der letzten Volkskammerwahl im Frühjahr 1990 passierte in der DDR-Folkszene eine Menge, von dem sich zu spät oder im Westen Geborene keinen Begriff machen können. Eine Massenbewegung war sie nicht. Dennoch ist sie zu interessant und zu wichtig, um sie einfach so in Vergessenheit geraten zu lassen.

70 Bands werden auf dieser Website kurz vorgestellt, darunter Folkländer aus Leipzig, Wacholder aus Cottbus, Liedehrlich aus Gera, JAMS aus Ostberlin und Horch aus Halle. Begonnen hat das ostdeutsche Folk-Revival in den 1970ern fast zeitgleich mit dem im Westen, doch unter ganz anderen Rahmenbedingungen. Stichwort Fördervertrag, Stichwort Auftrittsverbot.

Dass in den Achtzigern Volkstanz und Bordunmusik eine große Rolle spielen würden, war zunächst nicht abzusehen. In den Siebzigern dominierte das Volkslied, nicht das romantische, sondern jenes, mit dem man "durch die Blume der Historizität" realsozialistische Ärgernisse kritisieren konnte.

"Am Anfang hatte die Folkszene eine Motivation wie der Punk in englischen Vorstädten – nämlich eine eigene Stimme zu finden, die unabhängig ist von dem Ganzen, was innerhalb des Landes so gesagt werden sollte."

Stephan Krawczyk, seinerzeit bei Liedehrlich

"Das Besondere an dieser Ost-Szene war ihr starker Zusammenhalt. Man kannte sich untereinander, und aus dieser Gruppendynamik heraus entwickelte sich viel kreatives Potential. Geld spielte keine große Rolle, wir hatten nicht diesen finanziellen Druck wie die Bands heute."

Jo Meyer, damals bei JAMS

Näheres darüber erfahren Sie in den Bandporträts, in der Chronik von 1976 bis 1990 und im Szene-Lexikon von A wie Aluminiumlöffel bis Z wie Zentralhaus für Kulturarbeit.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"

Das Buch zum Thema:

Noch mehr Informationen, außerdem Interviews mit wichtigen Protagonisten der ostdeutschen Folkszene, 100 Schwarz-weiß-Fotos, 16 Farbseiten mit Plakaten, Platten-Covers usw. sowie eine Musik-CD bietet die erste umfassende Darstellung über die DDR-Folkszene. Erschienen ist sie am 1. Juni 2016 im Christoph Links Verlag Berlin:

Wolfgang Leyn: Volkes Lied und Vater Staat. Die DDR-Folkszene 1976-1990

Broschur, 16,5 x 23,5 cm, 380 Seiten, Musik-CD, ISBN: 978-3-86153-874-5, Preis: 35.00 EUR

Die Autoren sind Insider: der Journalist und Szene-Chronist Wolfgang Leyn, der Volkskundler und Dudelsackspieler Ralf Gehler, der Folk-Veranstalter und FOLKER-Autor Reinhard Ständer.

Die Ausstellung zum Thema

Premiere hatte sie 2016 beim Rudolstadt-Festival. Ines und Jörg Andraczek, Ralf Gehler und Wolfgang Leyn erarbeiteten sie für das Musikarchiv der Lippmann+Rau-Stiftung in Eisenach. Unter dem Titel „1976 folkende…“ bietet sie mit zahlreichen Fotos und kurzen Texten einen Überblick über die Entwicklung der DDR-Folkszene. Von der „Geburtsstunde“ im Oktober 1976 im Studentenklub der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bis zur Frage, was von der Szene blieb. Dazwischen geht es um doppelbödige Volkslieder, den Umgang mit den Behörden, um Folk-Werkstätten und -Festivals, um Folkstanz und Eigenbau-Dudelsäcke. Die Ausstellung eignet sich zur Präsentation auf Festivals, in Museen oder zu wissenschaftlichen Veranstaltungen. Sie besteht aus acht Rollups, ist daher leicht zu transportieren und schnell auf- bzw. abzubauen. Interessenten schicken bitte eine Mail an wolfgang.leyn@gmx.de