1980

US-Regierung kündigt wegen des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan Sanktionen an +++ Konrad Wolfs Spielfilm „Solo Sunny“ hat Premiere +++ Gründungsparteitag der Grünen in der Bundesrepublik +++ Einführung der Mitteleuropäischen Sommerzeit +++ Jugoslawiens Staatspräsident Tito stirbt +++ Vietnamesische Vertragsarbeiter kommen in die DDR +++ In Berlin wird das Reiterstandbild Friedrichs II. wiederaufgestellt +++ 42 Staaten boykottieren auf Druck der USA die Olympischen Spiele in Moskau +++ Nach Massenstreiks in ganz Polen Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność +++ Erstmals kirchliche Friedensdekade in der DDR unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ +++ 800 000 Bundesbürger unterschreiben Krefelder Appell „Keine neuen Atomraketen in Europa!“ +++ John Lennon stirbt infolge eines Attentats.

Gründung von Eulenspiegel (Neustadt an der Orla), Hupff Auff (Berlin), JAMS (Berlin), Kreuz & Square (Tanzgruppe, Leipzig), Lindwurm (Halle), Nach der Arbeit (Rostock), Notentritt (Halle), Sanddorn (Heiligendamm), Schlendrian (Ilmenau), Trumscheit (Berlin), Zerrwanst (Leipzig).

Schallplatten: Erste LP mit DDR-Folkbands, „Frisch auf ins weite Feld“, mit Rundfunkaufnahmen von Folkländer, Piatkowski & Rieck, Folkloregruppe der EOS Neuhaus, Wacholder, Gruppe Plus, AMIGA 8 45 189. Wacholder ist außerdem mit vier Titeln auf dem Sampler „Ein Kessel Rotes“ vertreten, AMIGA 8 45 193.

Brummtopf und Saitensprung bringen gemeinsam ein –>Liederheft heraus, 1981 und 1982 folgen zwei weitere, 1987 noch eines mit Tänzen aus dem Repertoire von Saitensprungs Tanzband. Ebenfalls 1980 erscheint das erste Liederheft der Landleute, 1983 ein zweites. Auch Wacholder startet 1980 eine eigene Reihe. Heft 2 wird gemeinsam mit Heureka erarbeitet. Für Heft 6 im Herbst 1989, ist schon keine –>Druckgenehmigung mehr erforderlich.


Januar 1980

30-tägige FDJ-Liedertour durch die DDR mit Perry Friedman und der Profi-Politrockgruppe Jahrgang 49, dabei sind u. a. Skiffle Schwerin und Liedehrlich.

Leipzig. 1. Zentrale Werkstatt der Musikfolkloregruppen. 15 Bands nehmen teil. Veranstalter sind Folkländer und ihr gesellschaftlicher Träger, das Kabinett für Kulturarbeit der Stadt Leipzig. Mit im Boot ist das Zentralhaus für Kulturarbeit. Workshop mit Vorstellung verschiedener Varianten der seit dem Mittelalter verbreiteten Volksballade „Graf und Nonne“ durch mehrere Bands; Disput über Erberezeption. Ausverkauftes siebenstündiges (!) Non-Stop-Konzert in der Alten Börse. Volkstanz zum Mitmachen; dabei Premiere der (Vor-)Tanzgruppe von Folkländer (später Kreuz & Square) mit Tanzmeisterin Sigrid Lembke.


Februar 1980

Berlin. Liedehrlich tritt beim Festival des politischen Liedes auf, ebenso der Singeklub der EOS Neuhaus mit seinem Folkloreprogramm. Zu den ausländischen Teilnehmern gehört Sands Family aus Nordirland.


März 1980

Neuhaus am Rennweg. Streitbare Begegnung zwischen Folkbands aus Berlin, Erfurt und Leipzig einerseits und traditionellen Folkloregruppen aus dem Thüringer Wald andererseits während eines Werkstattwochenendes, organisiert von Horst Traut, Leiter der Folkloregruppe der EOS Neuhaus.


Mai 1980

Hoyerswerda. Folkfest im Schloss mit Folkländer, Wacholder, Klanghaufen, Skye und Bettelsack. Weitere Festivals finden bis 1990 jedes Jahr in Hoyerswerda statt. Schon 1981 steht neben Konzert und Session auch Volkstanz auf dem Programm.

Erfurt. 3. Folklorefestival des Stadtbezirks Erfurt-Mitte, Open-Air-Konzert im Brühler Garten u. a. mit den Gastgebern Brummtopf und Saitensprung sowie Windbeutel, Polkatoffel, Jack & Genossen und Skye, Wacholder, Liedlai’n; Rundfunkmitschnitt.

Karl-Marx-Stadt. Am Rande des 5. Festivals der deutsch-sowjetischen Freundschaft, veranstaltet von der FDJ, musizieren auf der Schlossinsel bekannte Bands der DDR-Folkszene: Wacholder, Brummtopf, Windbeutel, Liedehrlich, Folkloregruppe Neuhaus.

Cottbus. Beim Folkfest an der Spreewehrmühle, organisiert von Wacholder, spielen Liedehrlich, Polkatoffel und Klanghaufen.


Juni 1980

Berlin. 3. Berliner Folklorefest. 22 Bands (vorwiegend aus der DDR) treten an drei Tagen vor rund 5000 Besuchern auf. Auf Anhieb ein Erfolg: allgemeines Volkstanzen mit Folkländer und Kreuz & Square. Wie so etwas in Ungarn funktioniert, zeigt Mákvirág, eine namhafte Band der Táncház-Bewegung (mit Kálmán Balogh am Zymbal). Das größte DDR-Folkfestival wird neben der Leipziger Werkstatt im Januar zum wichtigen Treffpunkt der Szene. Das Publikum reist von weither an. Der Rundfunk schneidet mit. Erstmals gehört ein Kinderfest zum Programm.


Juli 1980

Friedrichswalde. Privat organisiertes Folklorefest auf dem Dorf in der Schorfheide, 65 Kilometer nördlich von Berlin, mit Hupff Auff, Polkatoffel, Klanghaufen, Wacholder, Brummtopf, Saitensprung und Quitilinga. Alle spielen ohne Honorar, nur für Speis und Trank, Nachtlager und Reisekosten. Trotz schlechten Wetters sind 600 Besucher angereist. Bei den Dorfbewohnern kommt das Festival gut an. Geplant wird eine Neuauflage im kommenden Jahr, dann größer (und kostendeckend).

Stralsund, Bezirk Rostock. 1. Mecklenburgisches Folklorefestival im Rahmen der Arbeiterfestspiele. Goldmedaille für Folkländer und die (Vor-)Tanzgruppe Kreuz & Square sowie für das Duo Piatkowski & Rieck.

Dresden. Folkfest tagsüber im Großen Garten, abends im Studentenklub Bärenzwinger mit sieben Bands aus Cottbus, Berlin, Leipzig und Jena. Das geplante Straßenmusikkonzert in der Innenstadt wird kurzfristig abgesagt. Antimilitaristische Volkslieder sollen die zur selben Zeit in Dresden stattfindende „Wehrspartakiade“ nicht stören.


August 1980

Das sorbische Folkloreensemble Schleife/Slepo tritt beim Dudelsackfestival in Strakonice auf.

Halle (Saale). Folkfest auf der Peißnitzinsel u. a. mit Liedehrlich und den Lokalmatadoren von Bettelsack.


Oktober 1980

Potsdam. „Folksbordfest“, veranstaltet vom Jugendklubhaus Lindenpark. Am Straßensingen in der Innenstadt, Antanzen an der Dampferanlegestelle und der Fahrt über die Havelseen beteiligen sich Folkländer mit Tanzgruppe Kreuz & Square, schrill kostümiert Jens-Paul Wollenberg mit Quitilinga, Schottenschulle, Norbert Zallmann und Gruppe sowie Polkatoffel und Klanghaufen.


November 1980

Dresden. Wacholder beteiligt sich an der genreübergreifenden 1. Werkstatt „Lieder & Theater“, veranstaltet von der Gruppe Schicht und dem Liedzentrum an der Akademie der Künste der DDR. Diskussionsthemen sind „Das plebejische Erbe“ sowie „Kunst und Wahrheit heute“. Mit dabei auch Karls Enkel, Brigade Feuerstein, Gerhard Schöne, das Duo Beckert/Schulz, die Jazzer Günter Saalmann und Helmut Sachse, die Berliner Pantomimenwerkstatt Eberhard Kube, die Gruppe Neue Musik Weimar.

Leipzig. Beim Folkfest im Studentenklub Moritzbastei treten u. a. Folkländer, Brummtopf, Klanghaufen und Schottenschulle auf.


Dezember 1980

Berlin. Zum Programm des 17. Literaturfestes der Berliner Jugend in der Kongresshalle gehört neben Lyrikwerkstatt und Rockkonzert auch ein Folklorefest. Auf der Bühne stehen z. B. Wacholder, Polkatoffel, Klanghaufen und Schottenschulle.

Halle. Bettelsack erhält Auftrittsverbot. Gunter Preine, Frontmann der Band, der enge Kontakte zum kirchlichen Arbeitskreis des Jugenddiakons von Halle-Neustadt unterhält, kommt im März 1981 in MfS-Untersuchungshaft und wird anschließend wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. In der Anklageschrift spielen auch satirische Sketche von Bettelsack gegen die Volkspolizei eine Rolle.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"