1983

Staatliches Karl-Marx-Jahr (100. Todestag), staatliches und kirchliches Luther-Jahr (500. Geburtstag) in der DDR, Wiedereröffnung der restaurierten Wartburg +++ Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß vermittelt einen Milliardenkredit an die DDR +++ 1,3 Millionen BRD-Bürger demonstrieren gegen Stationierung von US-Mittelstreckenraketen, schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag stimmt dafür +++ Udo Lindenberg tritt beim Abschlusskonzert der internationalen Liedertournee in Ost-Berlin auf +++ Abschuss eines südkoreanischen Passagierflugzeugs über der Sowjetunion +++ Egon Krenz wird Honeckers neuer „Kronprinz“.

Gründung vonFiedolin (Leipzig, ab 1986 Ioculatores), Folksam (Bad Salzungen), Gut G’sell (Leipzig), Hops und Malz (Tanzgruppe, Wismar), Kuhfladen (Leipzig), Lumpazi Vagabundus (Gera), Maiglöckner (mit Tanzgruppe Fehltritt, Berlin), Podium (Dresden), Potsdausend (Potsdam), Schlendrian (Weimar), Ssälawih – Hallesche Kneipen- & Straßenmusiziervereinigung mbH (HKSMV, Eisleben), Stieger Walzmusikanten (Stiege im Harz), Tanz & Spring Band (Leipzig), Wandersmann (Berlin), Wimmerschinken (Leipzig).

Schallplatten: Piatkowski & Rieck: „Plattdeutsche Lieder“, AMIGA 8 45 242; Wacholder: „Herr Wirt, so lösche uns’re Brände“, AMIGA 8 45 267. Weitere LPs der bundesdeutschen Folkszene erscheinen in der DDR: „Hannes Wader. Daß nichts bleibt wie es war“, Produktion: VEB Deutsche Schallplatten Berlin, AMIGA ‎8 55 981; „Liederjan“, Übernahme von pläne, Dortmund, AMIGA 8 56 077.

Antiqua beginnt mit der Herausgabe einer –>Liederheftreihe. Bis 1990 erscheinen insgesamt acht Hefte.


Januar 1983

Leipzig. 4. Folkwerkstatt. 22 Bands nehmen teil. Deutliche Differenzierung in Repertoire und Programmgestaltung. Wacholder: Heine-Programm (Zusammenstellung und Regie Wenzel/Mensching); Notentritt: Fallersleben-Programm; Liedehrlich: Vertonung zeitgenössischer DDR-Lyrik (Andreas Reimann); Landluper: Puppentheaterstück „Die weiße Robbe“; Werkstattpremiere von Folkländers Bierfiedler; spektakulärer Workshop „Neue politische Volkslieder“ am Beispiel der Malzhaus-Lieder; parallel zur Werkstatt 3. Volkstanz-Lehrgang mit Teilnehmern aus fast allen Bezirken.


Februar 1983

Berlin. Gemeinsames Konzert von Wacholder, Dick Gaughan (Schottland) und Sands Family (Nordirland) beim Festival des politischen Liedes. Aufgeführt wird dort auch die „Hammer-Rehwü“.


April 1983

Hoyerswerda. 4. Folkfest u. a. mit Bordun, Jack & Genossen, Wacholder, Liedehrlich, dem Duo Jürgen Wolff/Erik Kross, Brigade Feuerstein.


Mai 1983

Meißen. 3. Kinderjahrmarkt auf den Elbwiesen mit Horch, Notentritt, Schottenschulle, Münzenberger Gevattern-Kombo.


Juli 1983

Rudolstadt. Beim Tanzfest, das bisher den Bühnentänzern vorbehalten war, versuchen Folkländer und die Tanzgruppe Kreuz & Square mit Erfolg, Tanzfest-Besucher zu Mittänzern zu machen.

Halle. An der 15. Werkstattwoche der FDJ-Singeklubs nehmen, wie inzwischen üblich, als Gäste auch mehrere Folkbands teil: Horch, Wacholder, Arbeiterfolk und JAMSTanzhaus. Matthias Kießling von Wacholder arbeitet in der Beratergruppe der Werkstattwoche mit.

Schmalkalden. 2. Folklorefestival der DDR mit 1500 Mitwirkenden. In der Zunftstraße gibt es Keramik und Blaudruck, Scherenschnitt, Reifendrehen, Glasblasen. Gesangs- und Tanzensembles, Trachten- und Mundartgruppen präsentierten u. a. überlieferte Bräuche von Bauern und Fischern, Hirten und Köhlern, Fuhrleuten, Handwerkern und Bergleuten. Auch Bands der DDR-Folkszene nehmen teil, so Arbeiterfolk, Brummtopf und Saitensprung, Folkländer mit Tanzgruppe Kreuz & Square, Kantholz, Notentritt mit Tanzgruppe G’hupft wie Gesprungen, Landleute und Uns Hüsung, Piatkowski & Rieck und Schlendrian. Für Kinder gibt es Mitmachangebote wie Singen, Tanzen, Basteln oder Wettspiele.


August 1983

Strakonice. Windbeutel gastiert (in der Besetzung Bernd Eichler, Gabi Martin und Jo Meyer), ebenso wie das sorbische Folkloreensemble Schleife/Slepo, beim Internationalen Dudelsack-Festival in Strakonice (ČSSR).

Berlin. 1. FDJ-Liedersommer in der Parkaue Lichtenberg. 70 000 Besucher erleben das zweiwöchige Open-Air-Festival mit in- und ausländischen Interpreten von Folk, Chanson, Jazz, Rock und Blues, inklusive Kinderzirkus-Programm. Organisiert wird der jährliche Liedersommer vom Büro Festival des politischen Liedes. Folkmusik ist schon beim ersten stark vertreten u. a. durch Wally Dugs aus Schottland, 100 folk celsius aus Ungarn und Illapu aus Chile oder Liederjan aus der BRD und natürlich Bands der DDR-Szene wie Horch, Piatkowski & Rieck, Skiffle Schwerin. Wacholder zeigt Ausschnitte aus seinem Heine-Programm; Folkländers Bierfiedler spielen zum Volkstanz.


September 1983

Leipzig. Unterstützt von dem (in Gründung befindlichen) Folkklub Leipzig beginnt der erste Kurs der Leipziger Volkstanzschule (jeweils ein halbes Jahr für 30 bis 35 Teilnehmer). Dem Anfängerkurs schließt sich 1985 einer für Fortgeschrittene an.

Halle. 1. Folklorefest u. a. mit Straßentanz auf dem Marktplatz; Notentritt spielt auf, und die Tanzgruppe G'hupft wie Gesprungen verführt Passanten zum Mittanzen.

Neubrandenburg. Unter dem Namen „Austbier“ veranstaltet das Bezirks-Kabinett für Kulturarbeit gemeinsam mit dem städtischen Folklorekabinett eine Folklore-Werkstatt für die drei Nordbezirke. Mit dabei sind u. a. Tüdderkram, Spälkram, Landleute. Das Wochenende klingt aus mit Straßentanz und einem Folkloremarkt in der Neubrandenburger Innenstadt.


Oktober 1983

1. Internationale FDJ-Liedertour. Unter dem Motto „Für den Frieden der Welt“ touren Perry Friedman (Kanada/DDR), Canzoniere delle Lame (Italien), Arbeiterfolk u. a. vier Wochen durch die DDR. Die Tourneen, organisiert vom Büro Festival des politischen Liedes, finden bis einschließlich 1988 jedes Jahr statt.

Berlin. Das Haus der jungen Talente veranstaltet ein zweitägiges „Hausfest“ (das Folklorefest gibt es nicht mehr), u. a. mit Wacholder, Horch, Schottenschulle und dem Duo Wenzel/Mensching.


November 1983

Frankfurt (Oder). Horch erhält einen Preis der 7. Chansontage.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"