1984

Frankreich eröffnet in Ost-Berlin ein Kulturzentrum +++ Erstes Olympiagold für die Eiskunstläuferin Katarina Witt in Sarajevo +++ Einweihung des neuen Friedrichstadtpalastes in Ost-Berlin +++ Zusage für Udo Lindenbergs DDR-Tournee wird zurückgenommen +++ DDR boykottiert mit weiteren Ostblockstaaten Olympische Sommerspiele in Los Angeles +++ 55 DDR-Bürger besetzen Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin, um ihre Ausreise zu erzwingen +++ Das Schinkel’sche Schauspielhaus in Berlin wird als Konzerthaus wiedereröffnet +++ Die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi stirbt durch ein Attentat.

Gründung vonAufwind (Berlin), Dieters Frohe Zukunft (Leipzig), Dr. B. Balsams Folk Kapelle (Leipzig), Eikboom (Rostock), Fiddler’s Grien (Rostock), Findlinge (Leipzig), Fußfolk (Tanzgruppe mit Band, Karl-Marx-Stadt), Gänseblümchen (Dingelstädt im Eichsfeld), Holter di Polka (Görlitz), Leipzig Morris (Leipzig), Lumpazi Vagabundus (Gera), Schwenkhops (Tanzgruppe, Potsdam), Shepperpipe (Magdeburg), Schwedenquell (später Swedenquell, Leipzig).

Auch in Potsdam werden nun regelmäßig Volkstanzabende veranstaltet – von Antiqua und ihrer Tanzgruppe Schwenkhops. Von 1985 an spielt dort außerdem Potsdausend (ab 1986 Folklore-)Dickband einmal im Monat zum Tanz auf. Antiqua gibt ab 1988 nur noch Konzerte; Schwenkhops wechselt zur Dickband.


Januar 1984

Leipzig. Gründung des Folkklubs Leipzig als ehrenamtliche Interessengemeinschaft von Folkmusikern, Volkstänzern und Veranstaltungsorganisatoren (1989 wird er 100 Mitglieder zählen). Folkklubs entstehen später auch in Berlin und Hoyerswerda, Ilmenau und Schwerin. Was Mitgliederzahlen, Aktivitäten und Kontinuität angeht, sind sie jedoch nicht mit dem Folkklub Leipzig zu vergleichen.

Leipzig. 5. (und letzte) Folkwerkstatt, die in Leipzig stattfindet. 17 Bands aus fast allen Bezirken, erstmals auch aus Dresden, nehmen teil. Werkstattpremiere für Antiqua, Asthma, Folksam, die Huywäldler aus Halberstadt, Löwenzahn, Podium und Tüdderkram. Vorgestellt werden „Notentritts Nachtprogramm“ mit folkloristisch angehauchten Kabarettchansons, „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ von Folkländers Bierfiedlern mit alten und neu geschöpften Liebesliedern, folkinspirierte Kammermusik von Heureka. Diskutiert wird u. a. über Quellenforschung, Spieltechnik und Eigenbau historischer Musikinstrumente. Außerdem auf dem Programm: geselliges Musizieren in diversen Kneipen der Stadt.


Februar 1984

Berlin. Piatkowski & Rieck spielen beim Festival des politischen Liedes (erneut 1987).

Benshausen (Bezirk Suhl): In dem von Eva Sollich geleiteten Tanzhaus beginnt der erste DDR-weite Ausbildungskurs für Tanzmeister. In je zwei 14-tägigen Lehrgängen 1984 und 1985 geht es u. a. um die Geschichte des deutschen Volkstanzes, um Tanztechnik und die Weitervermittlung an die Folkstänzer auf dem Parkett. Zehn öffentliche Veranstaltungen – vom Jugendklub über die Faschingsfeier bis zur Urlauberbetreuung – dienen als Praxistest. Die 21 Absolventen stammen aus acht DDR-Bezirken.


April 1984

Hoyerswerda. 5. Folklorefest mit Asthma, Heureka, Horch, Notentritt, Stephan Krawczyk (solo); Jürgen Wolff und Manfred Wagenbreth lesen irische Prosa und singen („Zwei Vögel beim Singen“).

Wismar. Beim 3. Folksfest der Ingenieurhochschule musiziert Tüdderkram aus der Gastgeberstadt neben Bands aus Rostock, Halle (Horch), Berlin, Leipzig und Quedlinburg (Münzenberger Gevattern-Kombo).


Mai 1984

Plauen. Wegen des antimilitaristischen Liedes „Der unerbittliche Hauptmann“ erhält Landluper einjähriges Auftrittsverbot durch die Kommission, die eigentlich die Spielerlaubnis der Band verlängern soll. Ironie des Schicksals: Ebendieses Lied hatte die Band zuvor im Rundfunk der DDR aufgenommen.


Juni 1984

Meißen: 4. Kinderjahrmarkt u. a. mit Schottenschulles Dudelsack-Musik, Podium sowie Dieter Beckert mit seinem „Regenschirmtheater“.

Berlin. Die FDJ veranstaltet zu Pfingsten ihr zweites Nationales Jugendfestival in Ost-Berlin. Auf dem Programm stehen auch Open-Air-Konzerte an der Volksbühne mit diversen Folkbands, u. a. Liederjan (BRD).

Slepo/Schleife. 1. Treffen der Dudelsackspieler und -bauer in der DDR mit internationaler Beteiligung. Mit dabei sind außer dem örtlichen sorbischen Folkloreensemble u. a. Bernd Eichler, Klaus Stecker, Schottenschulle und JAMS, Roman Streisand, Andreas Thiele sowie die Stieger Walzmusikanten. Die ausländischen Teilnehmer kommen aus Polen, Ungarn und der ČSSR.

Gera. 20. Arbeiterfestspiele. Goldmedaille für Zugvögel.


Juli 1984

Rudolstadt. Rudolstädter Folkloretour. Eine Woche lang tingeln Musiker von Brummtopf, Saitensprung, Lumich und Folkländer zusammen mit einem Zauberer und Kunsthandwerkern auf zwei Pferdewagen über die Dörfer im Bezirk Gera. 1985 gibt es erneut eine Tour, 1986 ebenfalls, dann u. a. mit der Tanzgruppe G’hupft wie Gesprungen und einem Puppenspieler. Das Konzept des „rollenden Folkfestivals“ wird von anderen Bands aufgegriffen, so von Bumfidl sowie Zucker und Zimt.

Weimar. Während der Weimartage der FDJ erklingen open air „Lieder im Park“, u. a. mit Hans-Eckardt Wenzel, Karls Enkeln, Stephan Krawczyk, Bayon und Blamu Jatz Orchestrion.


August 1984

Berlin. 2. Liedersommer. Während des Open-Air-Festivals in der Parkaue Lichtenberg spielen über 50 Solisten und Gruppen aus 13 Ländern vor insgesamt 85 000 Besuchern. Darunter sind die belgische Dudelsack-Formation Kabberdoech, die ungarische Folk-Rockband Vasmalom, Celtic Tradition (Irland), The Boys Of The Lough (Schottland), Agricantus (Italien) oder Ortiga (Chile). Die DDR-Folkszene ist vertreten durch Wacholder, Skye, Zugvögel. Außerdem hat Dr. B. Balsams Folk Kapelle Bühnenpremiere, Arbeiterfolk singt erotische Volkslieder; JAMSTanzhaus versetzt das Publikum in rhythmische Bewegung.


September 1984

Neubrandenburg/Burg Stargard. 14 Gruppen aus den drei Nordbezirken treffen sich im Rahmen der 6. Musikfolklorewerkstatt „Austbier“ zum Erfahrungsaustausch u. a. über den Gebrauch von Volksmusikinstrumenten und die niederdeutsche Sprache im heutigen Lied.

Leipzig. Das erste „Leipziger Folksblatt“wird gedruckt, quasi das DDR-Pendant zum westdeutschen „Folk-Michel“. Herausgeber ist der Folkklub Leipzig. Wegen Zensurproblemen lässt sich die vierteljährliche Erscheinungsweise nicht durchhalten. Schon das erste Heft wird eingezogen und erscheint inhaltlich verändert nach einem Dreivierteljahr neu.

Halle. Zweites Folklorefest u. a. mit Notentritt und G’hupft wie Gesprungen.

Potsdam. Zweites Folksbordfest. Auf dem Ausflugsdampfer musizieren diesmal Notentritt und Wacholder. Und es wird getanzt.


Oktober 1984

2. internationale FDJ-Liedertour. Shanna Bitschewskaja (UdSSR), Dieter Süverkrüp (BRD) u. a. touren vier Wochen durch die DDR. Dabei sind auch Perry Friedman und Arbeiterfolk.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"