Drehleier

Bei diesem Streichinstrument, auch Radleier genannt, werden mehrere Saiten gleichzeitig durch ein Holzrad als immerfort laufenden Bogen gestrichen. Gedreht wird es vom Spieler mit einer Kurbel. Die Melodiesaiten laufen durch einen Kastenaufbau mit einer Stoßtastatur. Bordunsaiten und eine Schnarrsaite mit beweglichem, rhythmisch einsetzbarem Steg machen die Drehleier zu einem Melodie-, Begleit- und Rhythmusinstrument. Sie gehört, ebenso wie der Dudelsack, zu den Borduninstrumenten. Die Drehleier-Herstellung war im vogtländischen Musikwinkel praktisch ausgestorben. Folkländer konnten 1977 den Erlbacher Geigenbauer Karl-Heinz Langhammer zum Nachbau einer Drehleier aus dem Markneukirchner Musikinstrumentenmuseum überreden. Diesem Experiment folgten deutlich verbesserte Exemplare, zum Teil ausgestattet mit Neuerungen wie Kunstharzrädern oder den im deutschen Raum unüblichen Rhythmusschnarren.

Durch Selbstbau von Drehleiern, zunächst nach Bauanleitungen aus dem Westen, entstanden in der DDR Anfang der achtziger Jahre verschiedenste funktionierende oder auch nicht funktionierende Instrumenten, die aber Ideenreichtum und handwerkliches Geschick zum Ausdruck brachten. 1987 und 1989 organisierte die Potsdamer Band Antiqua DDR-weite Drehleierwerkstätten. 1991 gab es dann eine erste gesamtdeutsche Werkstatt.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"