Mundart

Während die Mundart bei vielen traditionellen Folkloregruppen und -ensembles geradezu als Alleinstellungsmerkmal dient, spielte sie in der DDR-Folkszene nur eine untergeordnete Rolle. Die meisten Bands waren von Studenten gegründet worden. Diese stammten in der Regel aus ganz unterschiedlichen Landschaften. Die Mitglieder von Wacholder in Cottbus kamen z. B. aus dem Erzgebirge, aus Leipzig, aus dem märkischen Buckow, aus einem Dorf bei Zwickau und aus Mecklenburg. In welcher Mundart hätten sie singen sollen?

Eine Ausnahme von der Regel stellten norddeutsche Bands dar. Zum Repertoire der Rostocker Joachim Piatkowski und Wolfgang Rieck gehörten fast ausschließlich Lieder auf Plattdeutsch, überlieferte ebenso wie neue. Die Landleute in Neubrandenburg beschäftigten sich mit der bäuerlichen Folklore Mecklenburgs, natürlich ebenfalls auf Plattdeutsch. Aus dem Thüringer Wald kam die Folkloregruppe Neuhaus (später Kantholz). Sie brachte Lieder im dortigen Dialekt auf die Bühne und widerlegte das verbreitete Vorurteil, dass Jodeln kitschig ist. Zu erwähnen wäre auch Landluper in Plauen. Neben internationaler Folklore sang die Band vogtländische Mundartlieder. Schließlich die Stieger Walzmusikanten, die sich die Pflege der Harzer Folklore zur Aufgabe gemacht hatten.

Abgesehen von den erwähnten Ausnahmen sangen die meisten Folkbands hochdeutsch. Mundart-Stücke wie der Berliner Gassenhauer vom „Zickenschulze aus Bernau“ waren Farbtupfer im Repertoire von Windbeutel, Polkatoffel oder Skye, mehr nicht. Ernster gemeint war das Antikriegslied „And The Band Played Waltzing Mathilda“ des Australiers Eric Bogle, das Jürgen Wolff von Folkländer ins heimatliche Vogtländisch übertrug.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"