Szene-Hochburgen

Davon gab es eigentlich nur drei: Leipzig, Ost-Berlin und Erfurt. In Leipzig fand sich Ende 1976 auf Einladung von Folkländer erstmals die DDR-Szene zusammen. Hier wurden von 1980 bis 1984 die landesweiten Folkwerkstätten ausgerichtet. 1977 begann hier Folkländer als erste Band der Szene mit der Herausgabe von Liederheften. In Leipzig wurde mit Kreuz & Square 1979 die erste Folktanz-Gruppe gegründet, war ab 1984 ein Folkklub zugange, in dem nicht weniger als zehn Leipziger Bands und Tanzgruppen mitmischten. Hier gab es ab 1984 die einzige Volkstanzschule der DDR, erschien das „Leipziger Folksblatt“, fand ab 1985 das Open-Air-Festival Liederaue statt und ab 1986 das jährliche internationale Tanzhausfest. Als günstig erwies sich, dass in Leipzig auch das Zentralhaus für Kulturarbeit und das Tanzarchiv der Akademie der Künste ihren Sitz hatten.

In Ost-Berlin waren ebenfalls prägende Bands zu Hause, z. B. Jack & Genossen, Windbeutel, Skye, Polkatoffel, Bordun und JAMS-Tanzhaus, später Folkinger und Die Raben. Hier entwickelte sich eine lebendige Folktanz-Szene und wurde der Eigenbau von Dudelsäcken vorangetrieben. Bedeutsam für die Szene waren das internationale Festival des politischen Liedes (ab 1970), der Liedersommer (ab 1983) und die Folkfestivals im Haus der jungen Talente (1978 bis 1982).

Erfurt war dank der Band Brummtopf, später auch durch Saitensprung, ein wichtiger Treffpunkt der Szene. Vor allem bei den selbstorganisierten Folkfestivals 1979 und 1980. Regelmäßig traten DDR-Folkbands ab 1976 hier beim Stadtfest, dem Krämerbrückenfest, auf. Ab 1980 brachten Brummtopf und SaitensprungLiederhefte heraus. Der Folkstanz fasste auch in Erfurt schnell Fuß. Bands und Tanzgruppen aus Erfurt, Leipzig und Berlin veranstalteten 1985 beim Tanzfest Rudolstadt erstmals einen gemeinsamen Tanzabend.

Vielleicht könnte man auch Halle zu den Szene-Hochburgen rechnen. Mit Bettelsack, Horch, Notentritt und später Burgunder waren hier überregional bekannte Bands zu Hause. Ab 1980 wurden jährliche Folklorefeste veranstaltet, ab 1981 spielte G'Hupft wie Gesprungen zum Volkstanz.

Buchcover "Volkes Lied und Vater Staat"